Autor: Bernd Trautwein

Wann bin ich genug?

Zusammenfassung: Handeln ist grundsätzlich positiv – es steht für Tatkraft, Fokus und Verantwortungsübernahme. Entscheidend ist jedoch, ob tatsächlich noch sinnvolle Handlungsmöglichkeiten bestehen oder ob weiteres Tun nur aus innerem Optimierungsdruck entsteht. Problematisch wird es, wenn man trotz guter Vorbereitung immer weiter optimiert und dadurch nicht mehr zur Ruhe kommt. Eine zentrale Coaching-Frage ist dabei: Kann ich erkennen, wann ich handeln muss – und wann ich darauf vertrauen darf, dass ich genug getan habe und das Ergebnis nicht mehr in meiner Hand liegt und ich mich entspannen darf bzw. Ungewissheit aushalten kann?


Wann ist Handeln notwendig und wann ist es sinnvoll sich eingestehen zu können, dass kein Handeln notwendig bzw. möglich ist?

„Nimm Dein Schicksal in die Hand“ oder „Jeder ist seines Glückes Schmied“ sind Sätze, die viele von uns schon im Leben gehört haben. Ich konnte mich daran immer gut orientieren.

Handeln, etwas machen und nicht passiv warten sind doch Attribute, die für Entschluss-, Tatkraft und Fokus stehen und einem auch guttun. Welcher Sportler bereitet sich nicht akribisch auf einen Wettkampf vor. Dasselbe gilt für professionelles Verhalten im Beruf.

Und doch gibt es einen feinen Unterschied:

  1. Habe ich im Moment meines Tuns Handlungsmöglichkeiten, die mir zur Erreichung eines Bedürfnisses verhelfen (z.B. ich reise rechtzeitig vor einem wichtigen Termin an, um ein Thema vorstellen zu können)?
  2. Oder bin ich trotz guter Vorbereitung getrieben von der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten wie z.B. weiteren Fragen, die ich noch beantworten oder fachliche Themen, die ich noch lernen könnte, um besser zu werden?

Im ersten Fall geht es um „angemessene Aktivitäten zur rechten Zeit“ und im zweiten Fall geht es um Antreiber, die eine Person nicht zur Ruhe kommen und entspannen lassen.

Ich begegne oft Menschen vom Typ 2 und war selbst lange Anhänger von „perfekten“ Ansätzen. Dies geht so lange gut, so lange Energie da ist. Solange ein Umfeld es z.B. akzeptiert, dass Themen von der Arbeit auch noch in der Freizeit Energie benötigen, die im Kontakt mit dem Umfeld nicht mehr zur Verfügung stehen.

 

„Eine Reflexion der »Betriebsarten« des persönlichen Handlungsstils bringt häufig ein Erstaunen mit sich, auf dem die weitere Arbeit aufbauen kann“

Warum ist es meiner Meinung nach wichtig, sich solche Verhaltensweisen immer mal wieder bewusst zu machen?

Weil man dann erkennen kann, ob es im Leben

  • schwerpunktmäßig nur einen Aktivitätenpol gibt, d.h. Handeln immer die präferierte Position ist, auch wenn schon ausreichend gehandelt wurde, oder
  • ob es auch einen Pol gibt, der in der Lage ist, nicht vorhandene Handlungsoptionen zu regulieren, d.h. innerlich auszuhalten bzw. anzuerkennen, dass genügend und zeitgerecht gehandelt wurde und das Ergebnis der Arbeit nun nicht mehr in den eigenen Händen ist.

Oftmals haben Menschen gefühlt nur zwei Betriebsstellungen: Vollgas (Handeln) oder Frust/Sorge (dass kein Handeln möglich ist oder nicht genug gehandelt wurde).

Besser wäre es doch, bewusst steuern zu können, wo Handeln wichtig und notwendig und wo eine passive Regulation, d.h. Akzeptanz, dass keine Handlungsmöglichkeiten mehr bestehen und man nur auf das Ergebnis warten kann, hilfreich ist.

Hier lohnt sich dann eine Reflexion und gemeinsame Erkundigung im Coaching:

  • Ist mir bewusst, wo ich handeln muss und wo ich fehlende Handlungsmöglichkeiten aushalten kann?
  • Erkenne ich, dass ich mich schwertue, loszulassen, mich zu entspannen und zufrieden zu sein, wie ich gerade bin und mich fühle?
  • Kenne ich überhaupt das Gefühl, gut genug zu sein?
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Bernd Trautwein

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